Wenn Schule krank macht – unsere Erfahrungen an der Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Grundschule Hamm/Sieg

Ich formuliere diese Texte extra so rechtssicher wie möglich, da wir ansonsten von den Beteiligten Briefe von Anwälten und Gerichtsverfahren erwarten, die wir umgehen möchten. Bitte nicht wundern, wenn wir nicht zu tief ins Detail gehen können. Gerne könnt ihr mich aber anschreiben.

Es gibt Situationen im Leben, in denen man als Eltern merkt: Etwas läuft grundlegend falsch.

Was wir im letzten Jahr mit unserem Sohn an einer Grundschule in Rheinland-Pfalz erlebt haben, hat uns genau an diesen Punkt gebracht. Dieser Beitrag ist kein Angriff auf einzelne Personen. Er basiert auf dokumentierten Gesprächen, Protokollen und Schriftwechseln – und beschreibt unsere Sicht der Dinge.

Unser Kind wollte plötzlich nicht mehr zur Schule

Unser Sohn war ursprünglich ein Kind, das gerne zur Schule ging. Doch mit der Zeit änderte sich das drastisch.

Es begann mit Bauchschmerzen. Dann kamen Kopfschmerzen, Schlafprobleme und massive emotionale Ausbrüche hinzu. Morgens war jeder Schultag ein Kampf. Nachmittags brauchte er oft Stunden, um überhaupt wieder „runterzukommen“.

Sätze wie

„Ich will da nicht mehr hin“

wurden irgendwann zu

„Ich halte das nicht mehr aus“.

Für uns als Eltern war klar: Das ist kein „normales“ Verhalten mehr.

Zwei Welten, die nicht zusammenpassen

In Gesprächen mit der Schule wurde uns jedoch ein völlig anderes Bild geschildert:

  • Unser Sohn sei motiviert,
  • arbeite gut mit,
  • sei sozial integriert,
  • zeige sogar Freude an Präsentationen.

Wir standen vor einem massiven Widerspruch:

Das Kind, das wir zu Hause erleben, passt nicht zu dem Kind, das die Schule beschreibt.

Diese Diskrepanz wurde von der Schulleitung selbst als „zwei völlig unterschiedliche Welten“ bezeichnet.

Was uns jedoch zunehmend irritiert hat:

Aus dieser Feststellung wurde seitens der Schule vor allem eine Schlussfolgerung gezogen – dass das Problem nicht in der Schule liegen könne.

Die Diagnose brachte Klarheit – aber keine Lösung

Im weiteren Verlauf wurde unser Sohn fachärztlich diagnostiziert:

  • Autismus-Spektrum-Störung (Asperger)
  • AD(H)S
  • Lese-Rechtschreib-Störung

Viele Dinge ergaben plötzlich Sinn:

  • die enorme Anstrengung im Schulalltag,
  • das „Funktionieren“ nach außen,
  • und die komplette Erschöpfung danach.

Das sogenannte „Masking“ – also das Unterdrücken eigener Bedürfnisse, um im sozialen Umfeld nicht aufzufallen – war für uns eine schlüssige Erklärung.

Wir hatten gehofft, dass diese Diagnosen zu mehr Verständnis und konkreten Maßnahmen führen würden.

Maßnahmen: Vieles angekündigt, wenig greifbar

Aus unserer Sicht wurden zwar einzelne Anpassungen angesprochen:

  • mehr Zeit bei Klassenarbeiten,
  • Arbeiten in kleineren Gruppen.

Was jedoch fehlte, war eine klare, strukturierte und vor allem verbindliche Umsetzung eines individuellen Förderkonzepts. Außerdem, laut den Aussagen unseres Sohns, wurden diese zwei Punkte nur ganz selten durchgeführt.

Wichtige Maßnahmen wurden nicht umgesetzt oder abgelehnt:

  • ein Klassenwechsel (wurde mehrfach abgelehnt),
  • eine Schulbegleitung (wurde mehrfach abgelehnt),
  • alternative Beschulungsformen (z. B. digital oder zu Hause).

Besonders schwer nachvollziehbar war für uns die Begründung gegen einen Klassenwechsel:

Man könne dies nicht zulassen, da sonst andere Eltern ebenfalls einen Wechsel verlangen könnten.

Für uns stellte sich die Frage:

Geht es hier um organisatorische Prinzipien – oder um das individuelle Wohl eines Kindes?

Die Situation eskaliert

Mit der Zeit verschlechterte sich der Zustand unseres Sohnes deutlich.

Die Beschwerden wurden stärker, die Schulverweigerung massiver. Schließlich war ein regulärer Schulbesuch zeitweise nicht mehr möglich.

Wir haben alternative Lösungen vorgeschlagen:

  • Videobeschulung (wie während der Corona-Zeit),
  • Hausunterricht,
  • Übergang in eine andere Klasse.

Keine dieser Optionen wurde verbindlich umgesetzt.

Stattdessen wurde festgestellt, dass die Leistungen unseres Sohnes „nicht bewertbar“ seien – unter anderem aufgrund der Fehlzeiten.

Für uns fühlte sich das wie ein Systemversagen an:

Ein Kind fällt aus – und die Reaktion ist, dies formal festzustellen, statt die Ursache zu lösen.

Gespräche, die keine Lösungen bringen

Ein weiterer belastender Punkt war für uns die Kommunikation.

Gespräche wurden zunehmend schwieriger:

  • Unsere Wahrnehmung wurde wiederholt in Frage gestellt,
  • Hinweise auf die Belastung unseres Sohnes relativiert,
  • und Diskussionen endeten teilweise abrupt.

Wir hatten nicht das Gefühl, dass gemeinsam nach Lösungen gesucht wird – sondern dass Positionen verteidigt werden. Die Schulleitung verwies uns, wenn wir weitere Fragen hätten, diese an die ADD zu stellen und nicht mehr an sie. Seitdem antwortet sie uns nicht mehr auf Fragen, obwohl wir noch eine Tochter in dieser Schule haben. Selbst nach einem massiven Datenschutzverstoß wurde erst geantwortet, nachdem ich zwei Mal darauf hingewiesen und nach einer Lösung gebeten hatte.

Was uns besonders beschäftigt

Rückblickend stellen wir uns mehrere Fragen:

Warum wurde die Belastung unseres Kindes nicht ernst genommen?

Die Symptome waren deutlich – und wurden von uns mehrfach kommuniziert.

Warum wurden fachliche Einschätzungen nicht einbezogen?

Diagnosen und Empfehlungen lagen vor. Die Umsetzung blieb aus unserer Sicht unzureichend.

Warum scheitern individuelle Lösungen an strukturellen Argumenten?

Gerade bei besonderen Bedürfnissen müsste der Einzelfall im Mittelpunkt stehen.

Und die wichtigste Frage:

Warum musste es so weit kommen?

Unser Fazit

Wir haben in diesem Prozess gelernt, wie schwierig es sein kann, innerhalb eines Systems Gehör zu finden – selbst dann, wenn es um die Gesundheit des eigenen Kindes geht.

Wir wissen, dass Schulen unter enormem Druck stehen.

Wir wissen, dass Ressourcen begrenzt sind.

Aber wir glauben auch:

Wenn ein Kind krank wird durch Schule, dann muss sich etwas ändern.

Nicht irgendwann. Sondern sofort.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Autismus, Schule abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert